Zwangsarbeit und Menschenrechte

Gruppenbild. Foto: Bianka Bülow, RAA M-V

Zwangsarbeit und Menschenrechte

Ein Projektbeispiel mit künstlerischen & interaktiven Arbeitsformen

In dem Projektbeispiel wird von einem mehrteiligen Projektbeispiel zum Thema Zwangsarbeit in Neubrandenburg berichtet. Die Thematik wurde kreativ angegangen und bezog künstlerische und multimediale Arbeitsformen ein.

Das mehrteilige Projekt fand zum Thema „Zwangsarbeit“ mit etwa 15 Schülerinnen und Schülern der SoR-Gruppe (Schule ohne Rassismus) des Lessinggymnasiums Neubrandenburg statt, welche klassen- und jahrgangsübergeifend (8-11. Klasse) zusammengesetzt war. Zwei Referendare, eine Referendarin und eine Lehrerin begleiteten die Gruppe während des Prozesses.

Im ersten Schritt wurden den Jugendlichen mögliche Inhalte, die zeitlupe unterstützend begleiten könnte, vorgestellt. Die Gruppe entschied sich im Plenum für das Thema Zwangsarbeit. Neben dem Thema Zwangsarbeit standen andere Themen wie das jüdische Leben in Neubrandenburg oder das Kriegsgefangenenlager Fünfeichen zur Auswahl.

Im zweiten Schritt nahmen die Jugendlichen an einem Studientag zu den Mechanischen Werkstätten im Stadtarchiv teil und besuchten zusätzlich den ehemaligen Standort des KZ-Außenlagers in der Ihlenfelder Straße sowie die Mechanischen Werkstätten. Der Studientag enthielt u. a. Arbeitsmaterial für ein Radiointerview und kann im Rahmen einer Doppelstunde im Schulunterricht wiederholt werden.

Da die Jugendlichen zudem großes Interesse daran gezeigt hatten, künstlerisch zu den Menschenrechten zu arbeiten, wählten sie nach einem Input zur „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ den Artikel 4 aus, welcher das „Verbot von Sklaverei und Zwangsarbeit“ beschreibt und entschieden sich damit, weiterhin zum Thema Zwangsarbeit zu arbeiten.

Während eines Vorbereitungstreffens zum Graffiti-Workshop setzten sich die Jugendlichen nochmal explizit mit den historischen Formen von Zwangsarbeit und modernen, aktuellen Formen der Sklaverei auseinander. Sie fanden dabei zahlreiche Bezüge zur Gegenwart wie zum Beispiel in der sexuellen Ausbeutung von Frauen, die mit falschen Versprechungen in westliche Länder gelockt werden oder von ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen, die der westlichen Welt einen kostengünstigen Konsum ermöglichen.

Die künstlerische Arbeit fand im Januar 2019, zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar, statt und wurde durch den international renommierten Graffitikünstler Kobe Eins und die Regionalbibliothek Neubrandenburg begleitet. In den umgesetzten Arbeiten fanden sich viele Gegenwartsbezüge zum Thema Zwangsarbeit, aber auch symbolische Annäherungen an das Thema wieder.  

Seit Projektabschluss ist die Ausstellung bereits an verschiedenen Schulen in Neubrandenburg gezeigt worden und kam zum Einsatz bei der Parentum Schüler-Messe sowie als Bühnenbild bei einem Theatertag. Bis Jahresende kann sie noch verliehen werden, ab 2020 ist eine feste Installation dieser am Gedenkort Waldbau vorgesehen.

Der Arbeitsprozess zum Thema „Zwangsarbeit in Neubrandenburg“ steht exemplarisch für ein Schülerprojekt, welches sich durch von den Schülern selbst gewählten Inhalten und freieren Arbeitsformen auszeichnet. Das Projekt zeitlupe bietet interessierten Schulen und Jugendgruppen Beratung und inhaltliche sowie finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Projektideen an.  

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zeitlupe | Stadt.Geschichte & Erinnerung ist ein Projekt der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) Mecklenburg-Vorpommern e. V. und wird von der Freudenberg Stiftung gefördert. Das Projektbüro wird von der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft bereitgestellt.

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