Seminar „Neubrandenburg im Nationalsozialismus“ erfolgreich durchgeführt

Seminar „Neubrandenburg im Nationalsozialismus“ erfolgreich durchgeführt

Schüler*innen der Regionalschule "Am Lindetal" untersuchen originale Fundstücke im Regionalmuseum

Mit einer 8. Klasse der Regionalen Schule Ost „Am Lindetal“ haben die Mitarbeiterinnen von zeitlupe | Stadt.Geschichte & Erinnerung erfolgreich einen dreitägigen Studientag durchgeführt. Themenschwerpunkt waren Orte der Zwangsarbeit und des nationalsozialistischen Terrors in Neubrandenburg, hier insbesondere das Kriegsgefangenenlager und spätere Speziallager Fünfeichen und das KZ-Außenlager Waldbau. Aber auch ein Besuch am Standort der ehemaligen Synagoge in der Innenstadt stand auf dem Programm.

Projekt Neubrandenburg im Nationalsozialismus

Der erste Tag startete mit einer Kennenlernrunde und einer Zeitleiste, die unsere Praktikantin Lisa Witkowski eigens für das Seminar zusammengestellt hat. Die Zeitleiste verbindet Ereignisse in Neubrandenburg, die sich größtenteils während der 12 Jahre Naziherrschaft abgespielt haben, mit historischen Fotos. Bei der sich anschließenden Barometer-Methode stellte sich heraus, dass der Besuch einer KZ-Gedenkstätte, z.B. Ravensbrück oder Sachsenhausen, von den Schülerinnen und Schülern in Zukunft erwünscht ist und sie sich selbst ein angemessenes Verhalten an Orten wie Fünfeichen wünschen und von anderen erwarten.

Am zweiten Tag besichtigte die Gruppe das Synagogendenkmal an der alten Post und informierten sich über das Schicksal des alten jüdischen Friedhofs, der 1940 von den Nationalsozialisten aufgelöst wurde. Anschließend ging es von dort zum nahe gelegenen Regionalmuseum. Dank einer Kooperation mit der Museumspädagogik wird es hier auf Anfrage kleineren Gruppen ermöglicht, 1982 vom Lokalhistoriker Dieter Krüger ausgegrabene Fundstücke vom Gelände des KZ Waldbau in die Hand zu nehmen und von allen Seiten zu betrachten. Diese Fundstücke lagern normalerweise im Depot und sind nicht öffentlich zugänglich. Anhand von Zitaten von Häftlingen erschlossen sich die Schülerinnen und Schüler eigenständig ein Thema. So kamen sie von der Essschüssel auf das Thema Ernährung, von der Seifenschale auf Hygiene und vom Bildnis einer italienischen Heiligen auf Selbstbehauptung und Widerstand. Die Arbeit wurde jeweils mit einer Kleingruppe durchgeführt, während die andere Hälfte sich im Regionalmuseum über die Stadtgeschichte Neubrandenburgs informierte.

Der letzte Tag war der Auswertung des Seminars gewidmet. Dr. Constanze Jaiser leitete die Erstellung einer Mini-Ausstellung an, die in Kürze in den Fluren der Regionalen Schule zu sehen sein wird. Zudem initiierte sie einen „Chor der Menschenrechte“, in dem die Schülerinnen und Schüler verbal die vergangenen Tage reflektieren konnten. Die kurzen Statements wurden dabei als Audiodatei mitgeschnitten.

Dank gilt der Klassenlehrerin der 8a, Frau Barkow-Hauswald, die der Thematik gegenüber offenstand und mit der wir gerne eine weitere Zusammenarbeit anstreben. Ebenso bedanken wir uns bei Dr. Harry Schulz vom Stadtarchiv und Wiebke Schrader vom Regionalmuseum Neubrandenburg für die kompetente Begleitung und Unterstützung.

Sollten Sie mit Ihrer Klasse oder Jugendgruppe ein ähnliches Projekt durchführen wollen, melden Sie sich gerne bei Dr. Constanze Jaiser: constanze.jaiser@raa-mv.de. Wir empfehlen das mehrtägige Seminar zu „Neubrandenburg im Nationalsozialismus“ optimalerweise ab Sekundarstufe II.

Nadja Grintzewitsch

zeitlupe | Stadt.Geschichte & Erinnerung ist ein Projekt der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) Mecklenburg-Vorpommern e. V. und wird von der Freudenberg Stiftung gefördert. Das Projektbüro wird von der Neubrandenburger Wohnungsgesellschaft bereitgestellt.

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