Antiziganismus und rassismuskritische Bildungsarbeit in MV - Studierende aus Budapest zu Gast in Neubrandenburg

Antiziganismus und rassismuskritische Bildungsarbeit in MV - Studierende aus Budapest zu Gast in Neubrandenburg

Blick von oben auf die Ausstellung "...vergiss die Photos nicht, es ist sehr wichtig..."

Vom 12. bis 16. Mai 2022 erhielt der Fachbereich Soziale Arbeit, Bildung und Erziehung (SBE) der Hochschule Neubrandenburg Besuch von Studierenden des Roma Graduate Preparation Program (RGPP) der Central European University (CEU) Budapest und der Eötvös Lóránd Universität (ELTE) Budapest. Studierende der drei Hochschulen nahmen gemeinsam am englischsprachigen Austauschprogramm zum Thema „Rassismus als europaweite Herausforderung für die Soziale Arbeit und die Zivilgesellschaft“ teil. Dr. Constanze Jaiser von zeitlupe begleitete und moderierte das Austauschprogramm zusammen mit Prof.in Dr. Júlia Wéber von der Hochschule Neubrandenburg.

Im Fokus stand eine Auseinandersetzung mit Potenzialen rassismuskritischer Bildungsarbeit. Mit dem Ansatz „Lernen aus der Geschichte“ wurden ausgrenzende institutionelle Praktiken mit Fokus auf Rassismus und Antiziganismus betrachtet und biografische Zugänge der Aufarbeitung der Verfolgung und Ermordung von Roma und Sinti eröffnet. Gefragt wurde dabei nach der Relevanz der Auseinandersetzung mit der leidvollen und im Völkermord endenden Ausgrenzungsgeschichte der Sinti und Roma für uns alle und nach den bis heute viel zu wenig gehörten und gewürdigten Erinnerungen der größten Minderheit in Europa.

Im Weiteren behandelten die Projektpartner mit ihren Studierenden aber auch die Kontinuitäten von Ausgrenzung und eine Antisemitismus- und Antiziganismuskritik als professioneller Anspruch Sozialer Arbeit und zivilgesellschaftlichen Engagements. Das Programm bot einen Austausch unter Teilnehmenden aus zehn verschiedenen europäischen Staaten darüber, welche Herausforderungen an die Demokratie als Lebens- und Gesellschaftsform bzw. an eine demokratische Bildung europaweit erkennbar sind.

Den öffentlichen Auftakt am 13. Mai 2022, 10 Uhr, bildete eine zweisprachige Vernissage der Ausstellung „…vergiss die Photos nicht, das ist sehr wichtig…“ mit der Kuratorin Jana Müller (Stadtarchiv Dessau-Roßlau) und der Zeitzeugin Margitta Steinbach im Foyer der Hochschule. Die Ausstellung mit einzigartigen Fotos stellt Schicksale von Sinti und Roma aus Deutschland dar und dokumentiert eine einzigartige Spurensuche nach den auf den Fotos zu sehenden Familien. Prorektorin Prof.in Barbara Bräutigam sprach ein Grußwort, Ross Copeland, Leiter des Sprachzentrums der Hochschule sorgte für eine konsekutive Übersetzung der Inhalte bei der Eröffnung. Die Ausstellung wird vom 12. Mai bis 9. Juni an der Hochschule öffentlich zugänglich sein.

Jana Semrau (Stadtarchiv Dessau-Roßlau), Kuratorin der Ausstellung
Jana Müller (Stadtarchiv Dessau-Roßlau), Kuratorin der Ausstellung

Auf dem Programm standen unter anderem eine von den Studierenden vorbereitete Führung zur Stadtgeschichte Neubrandenburgs, Begegnungen mit Mitgliedern des BUND und des AJZ Neubrandenburgs sowie, am Samstag, eine Schifffahrt zum Lern- und GeDenkort Alt Rehse am Tollensesee. Nach einer Führung durch den ehemaligen Gutspark am heutigen Hotelgelände mit der Besitzerin, Gabriele Wahl-Multerer, stellte die Neubrandenburger Künstlerin Anna-Friederike C. Pöschel (https://www.eyefzipi.de) ihr interaktives E-Book „Franz & Alex aus Satow“ vor. Die Graphic Novel arbeitet, ausgehend von dem letzten historischen Foto aus dem Kinderheim St. Elisabeth in Neustrelitz, die Biografien zweier in der NS-Zeit ermordeter Sinti-Kinder aus dem Raum Waren auf.

Studierende der Neubrandenburger Hochschule am Fachbereich SBE waren, unter der Seminarleitung von Prof.in Dr. Júlia Wéber (Professur für Migrationsgesellschaft und Demokratiepädagogik) und Dr. Constanze Jaiser (zeitlupe), im März 2020 bereits zu Besuch an den Budapester Hochschulen. Die Dozentinnen der Einrichtungen initiierten die Fortsetzung des europäischen Dialogs, der von Studierenden des Studienganges BA Soziale Arbeit mitgestaltet wird. Auch Studierende aus dem Neubrandenburger Studiengang MA Wissenschaft Soziale Arbeit nehmen am Programm teil.

Alle Dokumente

"The Story of Franz & Alex from Satow" by Anna-Friederike C. Pöschel
"Die Geschichte von Franz und Alex aus Satow" von Anna-Friederike C. Pöschel

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