Begegnung, Geschichte und neue Perspektiven: Deutsch-polnischer Austausch in Krzyżowa
14 Schüler*innen des Albert-Einstein-Gymnasiums Neubrandenburg und 11 Schüler*innen des I Społeczne Liceum Ogólnokształcące im. Zbigniewa Herberta STO in Częstochowa kamen Anfang September in Krzyżowa zusammen. Am Anfang standen noch zwei Schulgruppen, zwei Sprachen und viele neue Namen. Sprachanimationen, gemeinsame Spiele und erste Teamübungen sorgten jedoch schnell dafür, miteinander ins Gespräch zu kommen und Berührungsängste abzubauen.

Geschichte am Ort entdecken
Der Montag stand zunächst im Zeichen der Geschichte Krzyżowas. Nach einer Führung über das Gelände beschäftigten sich die Jugendlichen am Nachmittag in Kleingruppen mit der Outdoor-Ausstellung zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs, zur Nachkriegszeit und zur deutsch-polnischen Versöhnung.

Die Gruppen widmeten sich dabei den Themen Erinnerung, Mut, Europa und Zukunft. Mit Fragen und Arbeitsaufträgen ausgestattet, erschlossen sie sich einzelne Teile der Ausstellung, diskutierten ihre Beobachtungen und stellten ihre Ergebnisse anschließend im Plenum vor. Geschichte blieb damit nicht bei Daten und Ereignissen stehen, sondern führte immer wieder zu Fragen an die Gegenwart: Was bedeutet Erinnerung heute? Wo braucht es Mut? Und welche Bedeutung haben Verständigung und Versöhnung für ein gemeinsames Europa?

Am Abend wurde der Austausch musikalisch. Beim interkulturellen Abend sangen die Jugendlichen jeweils Lieder aus ihren Ländern. Dabei ging es weniger um perfekte Töne als darum, etwas aus der eigenen Lebenswelt mit der anderen Gruppe zu teilen und gemeinsam etwas zu erleben, das kaum Übersetzung brauchte.
Wrocław mit anderen Augen sehen
Am Dienstag ging es für die Gruppe nach Wrocław. Statt die Stadt ausschließlich bei einer klassischen Führung kennenzulernen, machten sich die Jugendlichen in Kleingruppen selbst auf den Weg. Sie erhielten unterschiedliche historische und aktuelle Fragestellungen rund um die Stadt und die Aufgabe, dazu passende Fotomotive zu finden.
So wurde Wrocław selbst zum Lernort. Die Jugendlichen suchten im Stadtraum nach Spuren von Geschichte und Gegenwart, mussten sich in ihren Gruppen darüber verständigen, welche Motive zu ihren Fragestellungen passten, und entdeckten dabei ganz nebenbei die Stadt aus unterschiedlichen Perspektiven.

Zurück in Krzyżowa klang der Tag bei einem gemeinsamen Lagerfeuer aus.
Gemeinsam spielen und gestalten
Am Mittwochvormittag rückte noch einmal besonders das interkulturelle Miteinander in den Mittelpunkt. Bei Schere, Stein, Papier und einer gemeinsamen Schnitzeljagd kamen die Jugendlichen miteinander in Bewegung, lösten Aufgaben und begegneten sich in immer neuen Konstellationen. Gerade einfache Spiele erwiesen sich dabei als gute Möglichkeit, Sprachbarrieren niedrig zu halten und den Kontakt zwischen den beiden Gruppen weiter zu stärken.

Am Nachmittag wurde es kreativ. In einem Workshop gestalteten die Jugendlichen eigene Jutebeutel. Wie diese aussehen sollten, war ihnen selbst überlassen: Farben, Motive und Ideen konnten frei gewählt werden. So entstanden sehr unterschiedliche Einzelstücke und zugleich persönliche Erinnerungen an die gemeinsame Zeit in Krzyżowa.

Aus zwei Gruppen wird eine gemeinsame Erfahrung
Am Donnerstag hieß es bereits Abschied nehmen. Bei einer gemeinsamen Auswertung blickten die Jugendlichen noch einmal auf die vergangenen Tage zurück: auf historische Fragen und neue Eindrücke, auf Krzyżowa und Wrocław, auf Spiele, Musik und kreative Momente, vor allem aber auf die vielen Begegnungen dazwischen.
Gerade darin liegt die besondere Stärke deutsch-polnischer Jugendbegegnungen. Geschichte, Nachbarschaft und Europa bleiben nicht abstrakt, sondern verbinden sich mit konkreten Menschen und Erfahrungen. Jugendliche, deren Alltag normalerweise mehrere hundert Kilometer voneinander entfernt stattfindet, lernen miteinander, diskutieren, lachen, suchen gemeinsam nach Lösungen und entdecken Unterschiede ebenso wie Gemeinsamkeiten.
Nach fünf gemeinsamen Tagen ging es zurück nach Neubrandenburg und Częstochowa. Geblieben sind nicht nur Fotos, bemalte Jutebeutel und Erinnerungen an Krzyżowa und Wrocław, sondern vor allem Erfahrungen miteinander und damit vielleicht genau das, worum es bei einem deutsch-polnischen Austausch geht.





