„Das Recht verträgt keine Kompromisse“ – Christoph Safferling zu Gast in Neubrandenburg

„Das Recht verträgt keine Kompromisse“ – Christoph Safferling zu Gast in Neubrandenburg

Christoph Safferling in der Thalia-Buchhandlung Neubrandenburg

Am Dienstag, den 12. Mai 2026, fand in der Thalia-Buchhandlung Neubrandenburg eine Kooperationsveranstaltung von Thalia Neubrandenburg, der RAA-Geschichtswerkstatt zeitlupe und der Heinrich-Böll-Stiftung statt. Zu Gast war Prof. Dr. Christoph Safferling, Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht, Internationales Strafrecht und Völkerrecht an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie Direktor der Internationalen Akademie Nürnberger Prinzipien.

Die Veranstaltung war ursprünglich zum Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar 2026 geplant, musste jedoch auf den Mai verlegt werden. Im Mittelpunkt stand Safferlings aktuelles Buch Ohnmacht des Völkerrechts. Die Rückkehr des Kriegs und der Menschheitsverbrechen.

Großes Interesse an Fragen des Völkerrechts

Rund 80 Besucher*innen kamen zu Lesung und Gespräch. Der eindringliche Buchtitel griff Fragen auf, die angesichts aktueller Kriege, Gewaltverbrechen und geopolitischer Machtverschiebungen viele Menschen beschäftigen: Ist das Völkerrecht noch wirksam? Was bleibt vom Anspruch einer regelbasierten Weltordnung? Und welche Verantwortung trägt Deutschland vor dem Hintergrund seiner Geschichte?

Publikum bei der Veranstaltung mit Christoph Safferling in der Thalia-Buchhandlung Neubrandenburg.

Von Nürnberg in die Gegenwart

Im Gespräch zeichnete Safferling die Entwicklung des Völkerrechts seit den Nürnberger Prozessen nach. Deutlich wurde: Nürnberg steht nicht nur für die juristische Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen, sondern markiert einen grundlegenden Einschnitt in der Geschichte des internationalen Rechts. Mit den Verfahren gegen führende NS-Verantwortliche wurde der Anspruch formuliert, dass schwerste Verbrechen nicht hinter staatlicher Souveränität verschwinden dürfen und dass Einzelpersonen für Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können.

Zugleich zeigte der Abend, wie aktuell und brüchig dieses Versprechen bis heute ist. Safferling sprach über doppelte Standards, politische Machtinteressen und blinde Flecken, auch in der deutschen Außenpolitik. Gerade deshalb brauche es, so eine zentrale Botschaft des Abends, ein konsequentes Festhalten an völkerrechtlichen Maßstäben. Der Satz aus dem Klappentext des Buches, „Gerade Deutschland muss die völkerrechtlichen Standards einfordern. Das Recht verträgt keine Kompromisse“, bildete dabei einen wichtigen Bezugspunkt der Diskussion.

Historisch-politische Bildung als Gegenwartsarbeit

Auch aktuelle politische Debatten klangen im Gespräch an. So wurde deutlich, dass die Relativierung des Völkerrechts, etwa wenn es öffentlich als bloßes „Narrativ“ bezeichnet wird, nicht nur eine juristische Frage berührt, sondern auch eine demokratische. Die Auseinandersetzung mit dem Völkerrecht ist damit eng verbunden mit Fragen von Erinnerung, Verantwortung, Menschenrechten und politischer Haltung.

Die Veranstaltung machte eindrücklich deutlich, dass historisch-politische Bildung nicht bei der Erinnerung an vergangene Verbrechen stehen bleibt. Sie eröffnet Räume, um Gegenwart zu verstehen, demokratische Maßstäbe zu schärfen und über Verantwortung in einer von Kriegen und Gewalt geprägten Welt ins Gespräch zu kommen.

Weiterführender Hinweis:
Wer sich vertiefend mit den Themen des Abends beschäftigen möchte, findet ein ausführliches Gespräch mit Prof. Dr. Christoph Safferling im Format „Jung & Naiv“: Christoph Safferling über die Nürnberger Prozesse, Völkerrecht & Altnazis - Jung & Naiv: Folge 826

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