Ein neuer Weg, viele Perspektiven – Internationales Workcamp 2026 in Malchow
Vom 24. August bis 4. September 2026 kamen sechs junge Erwachsene aus Mexiko, Japan, Spanien und der Türkei für das Internationale Workcamp nach Malchow. Gemeinsam mit Schüler*innen aus Malchow und Rechlin beschäftigten sie sich mit der Geschichte der nationalsozialistischen Zwangsarbeit und der KZ-Außenlager in der Region und hinterließen dabei auch ganz konkrete Spuren.
Bereits zu Beginn trafen die internationalen Teilnehmenden auf Schüler*innen der 10. Klasse der Fleesenseeschule. Bei einem historischen Rundgang durch die Malchower Westsiedlung lernten sie die Geschichte des ehemaligen Zwangsarbeiter- und KZ-Außenlagers kennen. Die Schüler*innen stellten dabei auch einen von ihnen entwickelten Actionbound vor, der mit Audiodateien, historischen Informationen und Quizfragen durch die Siedlung führt.
Wenige Tage später wurde daraus ein gemeinsames Projekt: Die Schüler*innen und internationalen Teilnehmenden übersetzten den bislang deutschsprachigen Actionbound ins Englische, überarbeiteten die Texte und sprachen die Audiodateien neu ein. Damit steht die digitale Tour künftig auch internationalen Besucher*innen zur Verfügung.

Gemeinsam erinnern in Retzow-Rechlin
Ein weiterer Programmpunkt führte zur KZ-Gedenkstätte Retzow-Rechlin. Dort kamen gemeinsam mit Schüler*innen der Fleesenseeschule und des Schulcampus Rechlin rund 48 junge Menschen zusammen. Bürgermeister Wolf-Dieter Ringguth begrüßte die Gruppe, bevor die Geschichtswerkstatt zeitlupe einen interaktiven, zweisprachigen Workshop durchführte.
In kleinen internationalen Gruppen arbeiteten die Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit historischen Fotografien und Zitaten ehemaliger Häftlinge. Sie hielten ihre Gedanken und Gefühle fest und stellten diese anschließend bei einem gemeinsamen Rundgang vor. Unterstützt wurde die Veranstaltung durch die Partnerschaft für Demokratie Amt Röbel-Müritz in Trägerschaft der RAA Mecklenburg-Vorpommern.

Auch darüber hinaus setzte sich die Gruppe mit der Geschichte der Region auseinander: bei einem Rundgang über das Gelände der ehemaligen Munitionsfabrik sowie bei Filmabenden zur Holocaust-Überlebenden Batsheva Dagan und zu den Frauen von Ravensbrück.
Ein neuer Weg am Gedenkort
Ein großer Teil des Workcamps fand direkt am KZ-Gedenkort Malchow statt. Über mehrere Tage legten die Teilnehmenden dort einen neuen Weg an, der zukünftig noch vorhandene Fundamente und die Gedenkskulptur miteinander verbinden soll.
Dafür wurde Unkraut entfernt, der Untergrund vorbereitet, Sand und Splitt verteilt, Steine eingesetzt und das Gelände entlang des Weges wieder angeglichen. So entstand innerhalb der zwei Wochen ein sichtbares und dauerhaftes Ergebnis.

Parallel dazu entwickelte die Gruppe in einem Radio-Workshop einen Podcast über das Workcamp und bereitete eine gemeinsame Abschlusspräsentation vor.
Internationale Begegnung gehört dazu
Neben der Arbeit blieb viel Raum für gemeinsames Erleben: beim Baden am Malchower See, im Affenwald, auf der Sommerrodelbahn, in der Malchower Innenstadt und bei einem gemeinsamen Wochenende in Rostock.
Zum Abschluss wurde gemeinsam gegrillt. Die internationalen Gäste stellten Tänze und Musik aus ihren Herkunftsländern vor; aus Japan kamen zudem Origami und Kalligraphie hinzu.

Auch im Feedback wurde deutlich, wie sehr die Mischung aus Begegnung, historischer Auseinandersetzung und praktischer Arbeit geschätzt wurde. Eine teilnehmende Person schrieb: „Das Projekt hat mir ermöglicht, meine Perspektive auf die Welt zu erweitern und eine tiefe Verbindung zu den Menschen hier aufzubauen. Ich gehe sehr inspiriert nach Hause.“
Neben viel positivem Feedback gab es auch Anregungen für kommende Workcamps, etwa den Wunsch nach noch mehr Raum für vertiefende historische Gespräche und den Vorschlag, den Gedenkort künftig durch eine Pflanzaktion weiterzugestalten.
Was bleibt
Am 3. September präsentierte die Gruppe ihre Ergebnisse in der Fleesenseeschule. Einen Tag später verabschiedeten Bürgermeister René Putzar und Vertreter*innen der Stadt die internationalen Gäste am Gedenkort.

Zurück bleiben ein neuer Wegabschnitt am KZ-Gedenkort, eine englischsprachige Version des Actionbounds und ein gemeinsamer Podcast, vor allem aber viele Begegnungen und neue Perspektiven.
Organisiert wurde das Internationale Workcamp von der Stadt Malchow, dem NiG e. V., der RAA Mecklenburg-Vorpommern e. V., der Fleesenseeschule und weiteren Partnern.




