Margarete Piepers Geschichte kehrt nach Malchow zurück
Margarete Pieper starb am 17. April 1945 im Konzentrationslager Malchow. Mehr als 80 Jahre später ist ihre Geschichte erneut an diesen Ort zurückgekehrt: Der Hamelner Lokalhistoriker Bernhard Gelderblom stellte auf Einladung der RAA-Geschichtswerkstatt zeitlupe seine Mikrostudie über Margarete Pieper und ihre Familie in Malchow vor.
Eine Familiengeschichte im Mittelpunkt
Bei Recherchen zum ehemaligen Konzentrationslager Malchow war das Team der Geschichtswerkstatt zeitlupe auf Bernhard Gelderblom aufmerksam geworden. Der ehemalige Lehrer und Obermayer Award-Gewinner hat sich intensiv mit dem Schicksal der Familie Pieper beschäftigt. Im Mittelpunkt seiner Studie steht Margarete Pieper, eine jüdische Frau, deren Lebensweg in Malchow gewaltsam endete.
Gelderbloms Studie zeichnet den Alltag der Familie vor der Verfolgung, das Leben unter nationalsozialistischer Ausgrenzung und Verfolgung, die Situation im Konzentrationslager sowie die Nachkriegszeit nach. Für seine Recherchen stand Bernhard Gelderblom in Kontakt mit Nachkommen der Familie Pieper und konnte umfangreiches Archivmaterial auswerten.
Bereits im Mai 2026 besuchten Nachkommen Margarete Piepers Malchow anlässlich der Gedenkfeier zur Befreiung des KZ Malchow. Der Besuch von Bernhard Gelderblom knüpfte nun daran an und machte deutlich, wie wichtig persönliche Namen, Familiengeschichten und Biografien für die lokale Erinnerungsarbeit sind.
Vortrag in der Fleesenseeschule Malchow
Am Montag, dem 15. Juni 2026, stellte Bernhard Gelderblom seine Studie zunächst in der Fleesenseeschule Malchow vor. Zwei Klassen unter der Leitung von Lehrer Philip Thiel nahmen an dem Vortrag teil. Die Schüler*innen erhielten dabei Einblicke in eine konkrete Familiengeschichte, die exemplarisch für Verfolgung, Entrechtung und Gewalt im Nationalsozialismus steht und zugleich eng mit der Geschichte des ehemaligen KZ Malchow verbunden ist.

Austausch im Rathaus
Am Nachmittag wurde der über 80 Jahre alte Historiker als Ehrengast im Rathaus von Bürgermeister René Putzar empfangen. Im Anschluss fand ein Austausch mit Interessierten und Ehrenamtlichen über den Umgang mit Namen und Biografien in der Erinnerungsarbeit in Malchow statt. Die Beteiligten zeigten großes Interesse und empfanden es als besonders eindrücklich, durch Gelderbloms Forschung so tiefe Einblicke in die Geschichte Margarete Piepers und ihrer Familie zu erhalten.
Auch Bernhard Gelderblom freute sich über das Interesse vor Ort. Für ihn schloss sich mit dem Besuch in Malchow ein Kreis: Seine Forschung zu Margarete Pieper konnte er an Menschen übergeben, die vor Ort weiter an die Geschichte der im KZ Malchow inhaftierten Frauen erinnern.

Erinnerungsarbeit vor Ort geht weiter
Das Team der Geschichtswerkstatt zeitlupe arbeitet seit zwei Jahren intensiv daran, eine Namensdatenbank aufzubauen und personenbezogene Daten von im KZ-Malchow Inhaftierten zu sammeln. Ziel ist es, den ehemals inhaftierten Frauen ihre Namen und Geschichten wieder sichtbarer zu machen und die lokale Erinnerungsarbeit langfristig zu stärken.
Darüber hinaus unterstützt zeitlupe die Kommune bei den jährlich stattfindenden internationalen Workcamps. Das internationale Workcamp in Malchow ist ein zweiwöchiges gemeinnütziges Jugendprojekt. Es verbindet historische Erinnerungsarbeit, interkulturellen Austausch und praktisches Engagement. Junge Erwachsene aus verschiedenen Ländern kommen dabei zusammen, um sich mit Regionalgeschichte auseinanderzusetzen, Biografien ehemals inhaftierter Frauen zu erforschen und den Gedenkort zu pflegen und mitzugestalten.
In diesem Jahr findet das internationale Workcamp in Malchow vom 24. August bis zum 04. September 2026 statt.




